Eindrücke von einem Wochenende in Hamburg.

Das kleine Kind betritt die Welt so frisch und rein. Ein Wesen nur, das feine, unbeschrieb'ne Sein. Um es herum schwebt alles, was noch werden kann das ganze Werden, Wachsen, ständig gehts voran Und irgendwann wird aus dem Werden Sein, Geworden und Gewesen.
Ich bin mit dem Zug hierher gefahr'n: durch grüne Wiesen, vorbei an Feldern, weitem Land: wieviel von diesem Wachsen, Werden, Weltenwalten nehmen wir nur wahr, wenn wir kein Essen in den Händen halten?
Schräg über'n Gang, da sitzt ein junger Mann: Soldat. Der Vater, Opa, und die ganzen ander'n haben auch gedient. Dem Sitznachbarn erzählt er, wie er's hält: "Wir sind ein kleines Land, in einer großen Welt. Und uns're Werte, bedroht von fremden Kräften, gilt es zu schützen. Verteidigen müssen wir! auch wenn's uns nicht gefällt." Für zwanzig Jahre hat er unterschrieben - was er wird tun müssen, keiner kann es wissen.
Der Hintersitzer, als er aussteigt, verdreht die Augen, fasst sich an den Kopf. Er murmelt: "Was ein Stuss, geht's eigentlich noch?" er sagt's, als wäre es so klar als wäre nur was er denkt wahr. Den Tag darauf fahr' ich zum Hafen. Die Stadt vibriert: niemand denkt an Schlafen, alles rennt und hetzt und brummt und summt. Ein Mann weist mit dem Finger auf den Helikopter hoch am Himmel: "Die Russen, und da gibts ne Demo im Gewimmel!" Die Demonstranten scheinen zu marschieren, sie halten Banner, und skandieren: "Unser Sterben nicht für euer Geld". Ein paar Straßen weiter fährt ein Trupp Männer mit lautem Gebrumm in kleinen Autoscootern einfach so herum. Die Luft wird dünn, es stinkt, sie haben eine Menge Spaß. Ich sehe ich gehe. weiter. Mit den Füßen fühl ich wie ich die Erde berühre, sie streife, ja, massiere mit meinem Schritt. ich gehe, sie trägt mich. Wir alle gehen mit. Wir alle sind getragen und gehalten von diesem großen Wachsen, Werden, Walten. Es ist das Sein, das uns verbindet wen wir's nur wüssten.